Innovation

Tempranillo

Ich habe meine Hypothese einer historischen Präsenz dieser Rebsorte in San Miniato auf der Grundlage von Untersuchungen formuliert, die noch andauern und die uns bald einen fundierteren Nachweis für meine Annahmen liefern sollten.

Lassen Sie uns in der Zwischenzeit in das 18. Jahrhundert und weiter bis ins Mittelalter zurückreisen, als die Via Francigena, welche mein Weingut und die fraglichen Weinberge durchquert, eine Art „mittelalterlicher Highway” war. Sie wurde damals von einer großen Zahl von Menschen frequentiert. Ganze Familien und Gemeinden nutzten sie für kürzere Reisen oder für die bedeutende Pilgerfahrt nach Rom. Für die Pilger gab es zwei Hauptrouten in Europa: Eine nördliche Strecke, die ihren Anfang im südenglischen Canterbury hatte und quer durch Frankreich verlief, und eine westliche, die im nordspanischen Santiago de Compostela begann, die Rioja-Region durchquerte und dann der Mittelmeerküste nach Italien folgte. Die beiden Wege trafen beim Städtchen Sarzana aufeinander, welches nur 100 Kilometer von unserem Weingut entfernt ist.

Es existierte also über Jahrhunderte eine direkte, vielbereiste Verbindung zwischen Spanien und Rom. Sowohl die Ursprungsregion des Tempranillo als auch San Miniato und unser Weingut liegen auf dieser Strecke. Unsere Recherchen untermauern eine Annahme, die sich geradezu aufdrängt: Die Vorfahren unserer Rebstöcke erreichten höchstwahrscheinlich auf diesem Weg die Toskana.

San Miniato war außerdem über Jahrhunderte von religiöser Bedeutung und daher Bischofssitz. Die Kurie bewirtschaftete hier zu jener Zeit ausgedehnte Ländereien und baute natürlich auch Wein an. Damals war es üblich Jungpflanzen neuer Rebsorten aus Samen zu ziehen, da deren Transport über weite Entfernungen wesentlich einfacher und sicherer war als der von zerbrechlichen Stecklingen.

Unsere Rebstöcke zeigen eine hohe Übereinstimmung mit dem Erbgut des spanischen Tempranillo, weisen aber als Resultat der jahrhundertelangen Anpassung an die Bedingungen in der Toskana auch einige spezifische Unterschiede auf.

Eigenschaften

Die Besonderheiten unseres Tempranillo beruhen also heute hauptsächlich auf seiner jahrhundertelangen Anpassung an unser Land. Ein Prozess, der in meinen Augen völlig überraschend und auf ausgesprochen natürliche Weise eine Rebe geformt hat, die in ihrer produktiven Balance auch vielgerühmte und hochselektierte Sorten in den Schatten stellt. Mit ihrem kurzen vegetativen Zyklus und ihrer dennoch langsamen und konstanten Reifephase, die es uns erlaubt, den Zeitpunkt für die Lese zu optimieren, demonstriert sie jeden Tag ihre perfekte Anpassung an unser Terroir.

Der toskanische Tempranillo

Für mich als Winzer ist diese Eigenschaft besonders wertvoll. Eine Rebe, die so gut an lokale Bedingungen angepasst ist, kann auf natürliche Art und ohne Eingriffe Trauben hervorbringen. Dies ermöglicht es uns, Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung zu minimieren, und erleichtert uns so das Praktizieren biologischer Anbaumethoden, welche immer wichtiger werden.


Dank seiner genetischen Besonderheiten produziert der Tempranillo von San Miniato Trauben von großer Diversität. Sie eignen sich zur Produktion komplexer und langlebiger Weinen, welche die sortentypische Weichheit des Tempranillo mit „toskanischen Eigenschaften” wie dem bekannten Säurespiel sowie der vielschichtigen Mineralität unserer Böden vereinen.

 

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